1730 bis 1889


Verfasser: Wilhelm Schrader (†), Dr. Wilfried Schrader

Teil 2: Das alte Fachwerk-Schulhaus bis 1889 und der Lehrer Kantor Peters
Das alte Wendener Schulhaus, das erst 1889 abgerissen wurde, lag unweit der Kirche neben dem Pfarrhause. Es war ein zweistöckiges Fachwerkgebäude mit gelben Lehmwänden.

Im Inneren betrat man zunächst eine kleine Diele. Von ihr führte eine dreistufige Treppe in das Schulzimmer. In zwei Reihen hintereinander standen hier die Bänke. Auf der rechten Seite vom Katheder aus saßen die Mädchen, auf der linken die Jungen, immer fünf nebeneinander.

Durch die Mitte führte ein ziemlich breiter Gang gerade auf das Kaiserbild zu, das an der Rückwand hing auf dem Kaiser Wilhelm I. mit Krone und großem Ornat angetan, dargestellt war. Auf der vordersten Bank saßen oft einige Kinder, die etwas nachzuholen hatten, sei es nun, weil sie zu faul oder weil sie zu unfähig waren. Vor dieser Bank unmittelbar unter dem Katheder befand sich der sogenannte Klotz. Es war ein Balken von etwa einem Meter Länge und von etwa 20 cm Breite und Höhe, der einfach auf der Erde lag. Kinder, die auf diesem Klotze sitzen mussten, hatten Dummheiten gemacht, die jedes erträgliche Maß überschritten hatten.

Vor der Schule dicht am Wege stand eine alte Linde, ein Wahrzeichen für die Jugend. Unterhalb der Krone etwa zwei Meter vom Erdboden entfernt, erstreckte sich ziemlich waagerecht ein langer Ast. In den Pausen oder sonst in einer freien Zeit kam es für die Schuljungen darauf an, diesen Ast zu erreichen und von da aus in den Baum zu klettern. Es war ein Spiel, das jede Generation wiederholte und dessen die Kinder niemals müde wurden.

Diese Schule nun war der Schauplatz, auf dem Kantor Heinrich Peters von 1868 bis 1890 sein Regiment führte, und er führte es mit unnachsichtiger Strenge. Solche Strenge war auch nötig, wollte er alle Kinder, die er allein zu betreuen hatte, in Zucht und Ordnung halten.

Die Schule in Wenden gehörte zu den etwas größeren Dorfschulen des Landes. Denn Weihnachten 1866 zählte die Schule 96 Kinder, 1872 waren es 107 und 1881 zählte man 98 Kinder. So berichtet H. Peters in einem Schreiben vom 11. Dezember 1881 an den Schulvorstand. In diesem Schreiben nimmt er Stellung zu dem geplanten Schulneubau in Wenden, der dann kurz vor seinem Fortgang 1889 fertig wurde.

Unterrichtet wurden die Kinder in zwei Klassen. Jede Klasse hatte also etwa 50 Schülerinnen und Schüler, wobei jeweils fünf an einer Bank saßen. Da für jedes Kind ein Schulgeld bezahlt werden musste, war die Schülerzahl für das Gehalt des Lehrers von besonderer Bedeutung. Darüber hinaus gestaltete sich die allgemeine wirtschaftliche Lage in Deutschland nach dem gewonnenen Krieg gegen Frankreich 1870/71 und der Gründung des Kaiserreiches zunehmend besser.

Der Lehrer Kantor Heinrich Peters unterrichtete in zwei Abteilungen. Nachmittags kamen die 5 bis 9 jährigen in die "lütje Schaule" und vormittags die Älteren in die "grote Schaule". Mit fünf Jahren war früher ein Kind noch ziemlich unreif, und so wurde später der Schulbeginn auf das vollendete 6. Lebensjahr abgestellt.

Betrat Kantor Peters die Schulstube, so herrschte im Augenblick Grabesstille, mochte der Lärm zuvor auch noch so groß gewesen sein. Seine bloße Erscheinung ließ alle in Ehrfurcht erstarren. Zwar war er nur klein und schmächtig von Gestalt, aber stets bewegte er sich in gerader Haltung. Sein Gesicht war von einem greisen Bart umrahmt. Klug und energisch blicken in ihm die Augen. War ein Kind unaufmerksam oder trieb es während des Unterrichts Allotria, so konnte es geschehen, dass er es nur mit den Augen fixierte und so ohne Worte zu seiner Pflicht zurück rief. Saß er dabei auf seinem Katheder, so stemmte er beide Fäuste unter seinen Bart, so dass dieser ganz nach vorne geschoben wurde. Dabei blickte er unverwandt starren Auges auf den Übertäter. Die unheimliche Stille, die dabei eintrat, fing an, den Kindern lähmend den Rücken hinauf zu krabbeln. Jeder fürchtete, es gelte ihm. Bis der Bösewicht selbst von diesem Blick erfasst wurde und starr vor Schreck zu Haltung und Aufmerksamkeit zurückkehrte. War dies erreicht, so ließ Kantor Peters langsam seine Hände wieder sinken, um dann in seinem Unterricht fort zu fahren.

Doch nicht immer ging es so gnädig ab. Meistens trat in solchen Fällen der Stock in Tätigkeit. Stets standen in einer Ecke hinter dem Katheder eine ganze Reihe von Stöcken zu diesem Zweck bereit.

Kantor Peters genoss nicht nur bei Schuljugend, sondern auch bei den Erwachsenen den größten Respekt. Viele waren ja bei ihm in die Schule gegangen, und die Ehrfurcht, die der Lehrer ihnen eingeflößt hatte, blieb auch im späteren Alter in ihnen haften.

Peters leitete den Männergesangverein Concordia, den er selbst gegründet hatte. Er sang gut und spielte die Geige, mit der er den Ton angab. Es konnte vorkommen, dass er bei den Singenden die Männer nicht viel anders behandelte als Schuljungen. Leicht wurde er auch heftig, stampfte mit dem Fuße auf und rief laut "Mund Auf!". Dann rissen sich alle zusammen und sangen so laut und so gut, wie sie es nur vermochten.

Als Kantor hatte Peters jeden Sonntag in der Kirche die Orgel zu spielen. Die Schuljugend vom 9. bis zum 14. Lebensjahr bildeten den Kinderchor und saßen zu beiden Seiten der Orgel. Hatte Peters das Vorspiel beendet und sollte der Gesang beginnen, so wandte er einmal den Kopf nach links und einmal nach rechts, wobei er die Melodie mit ha ha ha anstimmte, denn den Text kannte er gewöhnlich nicht. Sofort fiel der Chor mit dem Gesangsverse ein und mächtig erschallten Orgel und Lied. Es klappte stets vorzüglich.

War beim Gottesdienst der gesangliche Teil vorbei und brauchte die Orgel nicht mehr mitzuwirken, so erhob sich Kantor Peters und stieg geräuschvoll die Treppe hinunter. Man hörte dann auch, wie unten laut die Kirchentür zugeschlagen wurde. Gegen Schluss der Predigt wurde die Tür in der gleichen Art wieder geöffnet. Mit majestätischen Schritten kam der Kantor wieder zum Vorschein, viele Andächtige aus ihrem Schlafe störend, aber noch zur rechten Zeit, um die Orgel zu bedienen.

Kantor Peters war auch ein guter Jäger. Wahrscheinlich hatte er die Lust und Liebe zur Jagd in seiner Zeit als Hauslehrer beim Grafen in Setzin bekommen. Übrigens zeigt diese Tatsache, dass er selbstbewusst war und sich nicht gerne von anderen etwas vorschreiben ließ; dann nach einem auf Anordnung des Staatsministeriums von Konsistorium erlassenen Ausschreibens vom 26.11.1851 war allen Kirchendienern, dazu gehörten auch die Schullehrer, die Ausübung der Jagd verboten.

Jagdpächter für die Wendener und Thuner Gemarkungen war Herr Vieweg aus Braunschweig. Von ihm hatte Peters Erlaubnis, zu den gegebenen Zeiten auf Jagd zu gehen. So sah man ihn denn häufig, wenn es seine freie Zeit erlaubte, im grünen Jägerrock in den Wald ziehen. Das Gewehr hatte er geschultert. Seinen Kopf zierte eine schmucke Mütze mit vorstehendem Schirm.

In seinem kleinen Privatzimmer im oberen Stock des Schulhauses waren drei Wände von unten bis oben mit den verschiedensten Waffen geziert. Es gab dort Schussgeräte von der kleinsten Pistole mit zum größten Jagdgewehr. Auch sah man Hirschfänger und Jagdmesser.

Etwa 23 Jahre ist Kantor Peters Lehrer in Wenden gewesen, Jahre, die ihn zu einer Institution dieses Dorfes werden ließen, von der man noch Generationen später erzählte.

Teil 3: Das 2. und 3. Schulgebäude von 1888 und 1898

Aktuelle Termine
27.05.2018 - Klasse! Wir singen
Auftritt aller Klassen in der Volkswagen Arena

30.05.2018 bis 31.05.2018 - Alsteruferturnier
Teilnahme unserer Schach-Schulmannschaft am weltgrößten Schachturnier in Hamburg


Kontakt
Grundschule Wenden
Heideblick 18
38110 Braunschweig

Sekretariat
Lisa Lehmann
Mo, Di, Do, Fr - 7:45 Uhr bis 13:00 Uhr

+49 (0)5307 2279

+49 (0)5307 932964

gs.wenden@braunschweig.de

Hausmeister
Thomas Taake
Mo bis Fr - 7:15 Uhr bis 13:45 Uhr

+49 (0)162 2498061